Evangelische Haigstgemeinde Stuttgart

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JAHRESLOSUNG 2018:

"Gott spricht: Ich will dem Durs-tigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst."

(Offenbarung 21,6)

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

Misstrauen ist angebracht: Wo gibt es schon etwas umsonst? Die Kinder lernen es bereits früh: Alles hat seinen Preis. Geschenke gibt es in unserer marktorientierten Welt praktisch nicht, außer im Familien- und Freundeskreis und für Bedürftige. Aber das ist eine andere Kategorie.

Bedürftige - wer fällt eigentlich darunter? Gibt es "die Bedürftigen" und "die Nicht-Bedürftigen". Bedürfnisse haben wir doch alle, und nicht alle Bedürfnisse werden jederzeit erfüllt. Will heißen: Wir alle sind Bedürftige. Nur wenn ich weiß, welches Bedürfnis ich habe, kann ich es auch stillen.

Gott spricht die Durstigen an. Wir alle wissen, wie es ist, Durst zu haben. Aber die wenigsten unter uns dürften wissen, wie es sich anfühlt, wenn dieses Grundbedürfnis tatsächlich nicht gestillt werden kann. Schließlich haben wir ja Trinkwasser im Überfluss.

 Und wie ist es mit dem Durst nach mehr? Kennen wir den? Den Durst der Seele und des Herzens? Manchmal habe ich den Verdacht, dass wir viel zu gesättigt, ja geradezu übersättigt sind, und so diesen anderen Durst gar nicht mehr kennen. Wir ersäufen ihn förmlich mit vordergründigen Durstlöschern.

"Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott", heißt es in den Anfangsworten des 42. Psalms.

Gott ist da mit seinem lebendigen Wasser, das den Durst der Seele stillt. Er wartet geduldig. Ach, würden wir doch spüren, wie bedürftig wir in Wirklichkeit sind! Wie durstig nach wahrem Leben. Diesen Durst können wir nicht selbst stillen und für kein Geld dieser Welt. Gott stillt ihn. Einfach so. Das ist keine Falle. Es ist göttliche Liebe.

Dass Sie diese sich verschenkende göttliche Liebe in dem noch jungen Jahr 2018 erfahren und so immer öfter den Durst nach dem lebendigen Wasser spüren, wünscht Ihnen

 

Ihre Pfarrerin

 

Anja Wessel

"Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater

gesandt hat, so sende ich euch."

(Johannes 20,21)

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

entmutigt, erschöpft, voller Angst waren sie an jenem Sonntagabend, nachdem Jesus am Kreuz sterben musste. Jede Hoffnung war von ihnen gewichen. Die Zukunftsaussichten waren düster. Nur ein Häuflein Elend - das waren die elf Jünger Jesu.

Und plötzlich ist er da, derjenige, den sie für tot hielten. Er spricht ein schöpferisches Machtwort: "Friede sei mit euch"! Friede für eure ge-ängsteten Herzen und verwundeten Seelen, auf dass ihr euer inneres Gleichgewicht wiederfindet und euer Gottvertrauen wachsen kann. Friede für euer Miteinander im Kleinen und im Großen.

Frieden, Schalom, das Sehnsuchtswort der Menschheit. Wo wirklicher Friede einzieht, da ist alles heil, da ist die Sehnsucht an ihr Ziel gekommen, da sind alle Bedürfnisse gestillt. Den Frieden in diesem umfassenden Sinn zu bringen, ist der Sinn der Menschwerdung Jesu. Wahrer Friede entsteht dort, wo Gottes Ewigkeit in Raum und Zeit Gestalt gewinnt. Der Frieden, den der Auferstandene zu-sagt, ist eine spürbare, die Situation verändernde Macht:

Die Sinne werden wach, die Angst weicht, Hoffnung keimt auf. Der Blick richtet sich auf den, der das Unmögliche möglich macht: Der durch verschlossene Türen geht, Menschen, die am Boden sind, auf-richtet und Tote lebendig macht: Jesus Christus.

Er schenkt Frieden, der nach außen drängt. Wer den Frieden Gottes er-fährt, muss ihn weitertragen, denn die Menschen in der Nähe und Ferne warten darauf, Gottes Gabe an uns. Wir Menschen sind gewürdigt, diesen Frieden weiterzugeben. "Nehmt hin den Heiligen Geist", heißt es im nächsten Vers.

Versöhnung wird möglich. Spuren der Ewigkeit in unserer Zeit. Ein Friedensnetz entsteht, das Menschen miteinander verbindet und immer größer wird. Daran mitzuknüpfen ist eine Lebensaufgabe. Dazu sind wir als Christinnen und Christen berufen.

An Ostern feiern wir den Sieg des Lebens über den Tod. Ohne Frieden kein Leben. Deshalb hören Sie diese Zusage ganz bewusst: Friede sei mit euch!

 

Ihre Pfarrerin

 

Anja Wessel

»Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt;

nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.«

(Prediger 3,11)

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

nun stehen die Sommerferien vor der Tür. Die einen packen ihre Sachen und begeben sich auf Reisen. Andere genießen die Ruhe zu Hause. Wer nicht an die Ferien gebunden ist, verreist lieber vorher oder nach-her.

Wie auch immer Sie Ihren Sommer verbringen – die Hochsommermonate bedeuten Entschleunigung. Politik, Kultur und Wirtschaft kennen die Sommerpause. Da läuft nicht viel, und das ist gut so.

Wir brauchen Zeiten des Innehaltens und Nachdenkens, die mehr als ein oder zwei Tage umfassen. Wir brauchen Zeiten der Langeweile. Zeiten, in denen die Gedanken und Gefühle einfach mal wandern können, um Entdeckungen zu machen.

Wie sollten wir anders die Schönheit der Welt und des Lebens entdecken, einer Schönheit, die sich hinter den vielen Schrecken dieser Welt verbirgt? Diese Schönheit ist ein Hinweis auf Gottes Ewigkeit, die unserem Einfluss – Gott sei Dank – gänzlich entzogen ist.

Spüren wir sie noch, diese Sehnsucht nach Ewigkeit, die mehr ist als unsere Wirklichkeit und die uns er-ahnen und spüren lässt, dass sich das Leben nicht in unserem oft verzweifelt anmutenden Aktionismus er-schöpft?

Spüren wir sie noch, diese Sehnsucht, die uns über das Vordergründige hinaus fragen und suchen lässt?

Spüren wir sie noch, diese Sehnsucht, die uns demütig werden lässt angesichts der Größe und Unergründlichkeit der Schöpfung und unseres Schöpfers?

Spüren wir sie noch, diese Sehnsucht nach Geborgenheit, wohltuender Passivität und Ruhe, die nicht nach einer Antwort auf alle Fragen drängt, sondern in das kindliche Vertrauen mündet, dass es einen gibt, der Anfang und Ende allen Seins kennt?

 

Ich wünsche Ihnen, dass die Sommerpause Ihre Sehnsucht weckt und Gott Ihnen als derjenige begegnet, der alle Sehnsucht stillt.

 

Ihre Pfarrerin

 

Anja Wessel

»Herr, du kennst all mein Sehnen, und mein Seufzen ist dir nicht ver-borgen.«

(Psalm 38,10)

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

welche Sehnsüchte bestimmen Ihr Leben? Und welche Schmerzen lasten auf Ihrem Körper und Ihrer Seele?

»Die Wirklichkeit ist immer eng«, so formuliert es der Philosoph Wilhelm Schmid. Das Leben kann schmerzlich sein, und es ist immer endlich. Wo alles positiv ist und alle Grenzen aufgehoben sind, dort liegt das Paradies. Sehnen und Seufzen gibt es dort nicht (mehr).

Nun leben wir aber in einer nicht-paradiesischen Wirklichkeit und schaffen uns gerne eine paradiesische Gegenwelt. Was ist dran an den Gegenwelten: der biblischen Paradiesvorstellung, die das Jenseits bemüht? Den irdischen Paradiesversprechen aller Art? Da werden Urlaubsorte oft paradiesisch verklärt. Oder Computerspiele simulieren Paradiese, die dem säkularen Menschen nicht mehr plausibel erscheinen.

Wie nüchtern erscheint da der Ruf des Psalmbeters, der sich in großer Not befindet. »In schwerer Heimsuchung« ist der sog. dritte Bußpsalm in der Lutherbibel überschrieben. Wem das Leben zu schwer wird, befindet sich in schwerer Heimsuchung. Die Gründe sind vielfältig: Krankheit, Tod, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Ängste, Scheitern. Krisen können uns an den Rand der Verzweiflung bringen. Manchmal ist die Last, die das Leben einem aufbürdet, einfach zu groß.

Gegenwelten helfen, der Enge des Lebens zu entkommen. Aber sie können auch Flucht bedeuten und dazu führen, dass man sich den Herausforderungen des Lebens nicht mehr stellen kann.

Die Worte des Psalms verweisen auf einen Adressaten, der die Enge unserer Wirklichkeit weitet: Unser Herr und Schöpfer, der uns kennt wie sonst niemand. Er kennt unsere Sehnsüchte und Schmerzen. Er sieht hin und hört hin. Dabei macht er keine leeren Versprechen. Er winkt nicht mit dem Paradies auf Erden. Er wird nicht all unsere Fragen beantworten. Aber er hält uns aus und er hält es mit uns aus. Das Leben in all seinen Schattierungen.

Und so kann der Psalmbeter später sagen: »Aber ich harre, HERR, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirst antworten«.

Dieses Gottvertrauen und diese Gotteserfahrung wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen!

 

Ihre Pfarrerin

 

Anja Wessel

»Als sie den Stern sahen, waren sie hocherfreut.«

(Matthäus 2,10)

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

ein Stern weist den Weg. Die Weisen aus dem Morgenland lassen sich darauf ein. Es ist ja durchaus ein Wagnis: Hält der Stern, was er verspricht oder ist er ein Irrlicht?

Nun steht die Weihnachtszeit vor der Tür. Lichter werden unsere Häuser und Straßen erleuchten. Das ist schön fürs Auge und mitunter auch für die Seele. Im neuen Jahr verschwinden die Lichter wieder. Das soll es dann gewesen sein – bis zum nächsten Mal?

Ich möchte mich durch den einen Satz aus dem Matthäusevangelium fragen lassen: Welchem Stern folge ich eigentlich in meinem Leben? Welches Licht leuchtet meinen Lebensweg so aus, dass ich zum Ziel komme? Da schließt sich auch schon die nächste Frage an: Welches Ziel hat mein Weg?

Die drei Weisen haben eine Ahnung, eine Hoffnung. Sie möchten den Heiland finden. Denjenigen, der ihr Leben verändert und heil macht. Denjenigen, der die Welt erlösen soll.

»Erlöse uns von dem Bösen«, beten wir im Vaterunser im Bewusstsein, dass wir alle auf Erlösung angewiesen sind und unsere Welt eine unerlöste ist.

Wie nötig haben wir einen Stern, der uns den Weg weist. Um diesen Stern zu finden, brauchen wir Zeit und Ruhe. Wir müssen genau hin-schauen, um diesen einen Stern in-mitten der anderen Sterne zu finden. Und wir brauchen die Erwartungshaltung: leere, offene Hände und Herzen, die wir füllen lassen.

Die drei Weisen fielen nieder und beteten das Kind an. Ihr ganzes Augenmerk lag auf diesem Kind. In dieser Begegnung entdeckten sie den Heiland.

Ich habe in diesem November erstmals an Schweigeexerzitien teil-genommen, um ungestört Zeit mit Gott verbringen zu können. Es war eine reiche Woche, von der ich noch lange zehren werde. Eine Woche der Konzentration auf Ursprung und Ziel des Lebens. Eine Woche heilsamer Ausstieg aus dem Alltag, der angefüllt ist mit vielen Nichtigkeiten.

Ganz bewusst möchte ich auch im Alltag dem Stern folgen und dem Heiland Jesus Christus begegnen. Gehen wir zusammen?

In freudiger Erwartung grüße ich Sie sehr herzlich.

 

Ihre Pfarrerin

 

Anja Wessel

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