Evangelische Haigstgemeinde Stuttgart

Oktober / November 2017

Dezember / Januar 2018

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April / Mai 2018

Aug / Sep 2018

»Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.«

(Lukas 15,10)

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Hand aufs Herz: Welche Rolle spielt die Buße in Ihrem Leben?

Martin Luther, dessen Theologie in diesem Jahr des Reformationsjubiläums immer wieder in Erinnerung gerufen wird, räumte der Buße eine zentrale Stellung ein: »Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht ‚Tut Buße‘ u.s.w. (Matth. 4,17), hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll« (1. These der 95 Ablassthesen).

Buße war für ihn die vertrauensvolle Umkehr des Menschen zu Gott – das nach Geborgenheit suchende Kind, das sich ohne Angst an seinen liebenden Vater wendet – eine sehr persönliche Angelegenheit also.

Genauso wird die Buße auch im Lukasevangelium verstanden. In Lukas 15 erzählt Jesus drei Gleichnisse hierzu: Vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen, vom verlorenen Sohn.

Der Buße geht das Verlorensein voraus. Wann fühlen wir uns verloren, wenn wir dieses Gefühl überhaupt noch zulassen und nicht durch rastlose Aktivität und Lärm unterdrücken?

Ich fühle mich verloren, wenn ich alleine bin und den Weg nicht kenne. Wenn ich die Orientierung verloren habe. Wenn ich merke, ich benötige Hilfe, aber keine Hilfe in Sicht ist. Wenn ich meine, niemand versteht mich. Wenn ich merke, ich werde meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht, habe jemanden verletzt, habe Stärke vorgespielt, mich aber klein und schwach gefühlt.

Die Erfahrung des Verlorenseins gehört zum menschlichen Leben. Damit verbunden ist eine Ur-Angst, denn wer sich verloren fühlt, erlebt den Verlust von Kontrolle.

Jesus macht deutlich, dass wir nie alleine sind. Wenn wir den Weg nach Hause – zu Gott – nicht finden, dann macht Gott sich auf zu uns.

Buße beinhaltet also eine doppelte Bewegung: die Suchbewegung des Menschen zu Gott und gleichzeitig die liebende Zuwendung Gottes zum Menschen. Buße zielt auf Heil-Werden, auf Geborgenheit, auf Zukunft, auf Freude.

Diese freudige Erfahrung wünscht Ihnen von Herzen

 

Ihre Pfarrerin


Anja Wessel

»Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe,

damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes,

und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.«

(Lukas 1,78-79)

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

und plötzlich beginnt etwas grundlegend Neues – von jetzt auf gleich. Es ist kein langwieriger Prozess, nein, plötzlich ist sie da – die Stunde null. Eine neue Zeitrechnung: vor Christus und nach Christus.

Welch große Hoffnung war mit der Geburt Jesu Christi verbunden, wenn man sogar die Zählung der Jahre mit seiner Person verknüpfte? Hoffnung nicht nur für eine kleine Gruppe Gläubiger, sondern für die ganze Welt. Hoffnung auf bessere Zeiten, auf ein besseres Leben, auf den Sieg des Lichts über die Finsternis, auf die Überwindung des Todes durch das Leben, auf Frieden.

Nun schreiben wir bald das Jahr 2018 nach Christi Geburt. Was ist geschehen seit dieser Zeitenwende? Es gibt sie noch, die Menschen, die im Dunkeln ihr Dasein fristen und auf das Licht warten. Es gibt sie noch, die Füße, die in Kampfstiefeln stecken, und auf dem Weg des Kriegs unterwegs sind. Dieser Krieg hat viele Gesichter. Wahrer Frieden wird immer noch ersehnt.

Seit der Geburt Jesu besucht uns das aufgehende Licht aus der Höhe Jahr für Jahr. Es scheint für uns alle. Es hat Kraft, eine Leuchtkraft, die im Herzen beginnt und von dort hinaus strahlt in die Welt. Es ist kein Wohlfühl-Schummerlicht, sondern das Licht der Barmherzigkeit Gottes, das die Welt in ein neues Licht taucht.

Unsere Aufgabe als Christinnen und Christen ist keine geringere, als dieses Licht weiter zu tragen. Wir sind unterwegs als Lichtträgerinnen und -träger Gottes. Das ist nicht immer gemütlich und schon gar nicht bequem. Man weiß nie, wohin der Weg führt. Vermeintliche Sicherheiten und Gewohnheiten erschweren mit-unter das Weitergehen.

Getrost können wir neue Wege wagen, der Zukunft vertrauensvoll entgegengehen, denn »das aufgehende Licht aus der Höhe« leuchtet voller Kraft.

Getragen von dieser Überzeugung grüßt sehr herzlich

 

Ihre Pfarrerin

 

Anja Wessel

JAHRESLOSUNG 2018:

"Gott spricht: Ich will dem Durs-tigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst."

(Offenbarung 21,6)

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

Misstrauen ist angebracht: Wo gibt es schon etwas umsonst? Die Kinder lernen es bereits früh: Alles hat seinen Preis. Geschenke gibt es in unserer marktorientierten Welt praktisch nicht, außer im Familien- und Freundeskreis und für Bedürftige. Aber das ist eine andere Kategorie.

Bedürftige - wer fällt eigentlich darunter? Gibt es "die Bedürftigen" und "die Nicht-Bedürftigen". Bedürfnisse haben wir doch alle, und nicht alle Bedürfnisse werden jederzeit erfüllt. Will heißen: Wir alle sind Bedürftige. Nur wenn ich weiß, welches Bedürfnis ich habe, kann ich es auch stillen.

Gott spricht die Durstigen an. Wir alle wissen, wie es ist, Durst zu haben. Aber die wenigsten unter uns dürften wissen, wie es sich anfühlt, wenn dieses Grundbedürfnis tatsächlich nicht gestillt werden kann. Schließlich haben wir ja Trinkwasser im Überfluss.

 Und wie ist es mit dem Durst nach mehr? Kennen wir den? Den Durst der Seele und des Herzens? Manchmal habe ich den Verdacht, dass wir viel zu gesättigt, ja geradezu übersättigt sind, und so diesen anderen Durst gar nicht mehr kennen. Wir ersäufen ihn förmlich mit vordergründigen Durstlöschern.

"Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott", heißt es in den Anfangsworten des 42. Psalms.

Gott ist da mit seinem lebendigen Wasser, das den Durst der Seele stillt. Er wartet geduldig. Ach, würden wir doch spüren, wie bedürftig wir in Wirklichkeit sind! Wie durstig nach wahrem Leben. Diesen Durst können wir nicht selbst stillen und für kein Geld dieser Welt. Gott stillt ihn. Einfach so. Das ist keine Falle. Es ist göttliche Liebe.

Dass Sie diese sich verschenkende göttliche Liebe in dem noch jungen Jahr 2018 erfahren und so immer öfter den Durst nach dem lebendigen Wasser spüren, wünscht Ihnen

 

Ihre Pfarrerin

 

Anja Wessel

"Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater

gesandt hat, so sende ich euch."

(Johannes 20,21)

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

entmutigt, erschöpft, voller Angst waren sie an jenem Sonntagabend, nachdem Jesus am Kreuz sterben musste. Jede Hoffnung war von ihnen gewichen. Die Zukunftsaussichten waren düster. Nur ein Häuflein Elend - das waren die elf Jünger Jesu.

Und plötzlich ist er da, derjenige, den sie für tot hielten. Er spricht ein schöpferisches Machtwort: "Friede sei mit euch"! Friede für eure ge-ängsteten Herzen und verwundeten Seelen, auf dass ihr euer inneres Gleichgewicht wiederfindet und euer Gottvertrauen wachsen kann. Friede für euer Miteinander im Kleinen und im Großen.

Frieden, Schalom, das Sehnsuchtswort der Menschheit. Wo wirklicher Friede einzieht, da ist alles heil, da ist die Sehnsucht an ihr Ziel gekommen, da sind alle Bedürfnisse gestillt. Den Frieden in diesem umfassenden Sinn zu bringen, ist der Sinn der Menschwerdung Jesu. Wahrer Friede entsteht dort, wo Gottes Ewigkeit in Raum und Zeit Gestalt gewinnt. Der Frieden, den der Auferstandene zu-sagt, ist eine spürbare, die Situation verändernde Macht:

Die Sinne werden wach, die Angst weicht, Hoffnung keimt auf. Der Blick richtet sich auf den, der das Unmögliche möglich macht: Der durch verschlossene Türen geht, Menschen, die am Boden sind, auf-richtet und Tote lebendig macht: Jesus Christus.

Er schenkt Frieden, der nach außen drängt. Wer den Frieden Gottes er-fährt, muss ihn weitertragen, denn die Menschen in der Nähe und Ferne warten darauf, Gottes Gabe an uns. Wir Menschen sind gewürdigt, diesen Frieden weiterzugeben. "Nehmt hin den Heiligen Geist", heißt es im nächsten Vers.

Versöhnung wird möglich. Spuren der Ewigkeit in unserer Zeit. Ein Friedensnetz entsteht, das Menschen miteinander verbindet und immer größer wird. Daran mitzuknüpfen ist eine Lebensaufgabe. Dazu sind wir als Christinnen und Christen berufen.

An Ostern feiern wir den Sieg des Lebens über den Tod. Ohne Frieden kein Leben. Deshalb hören Sie diese Zusage ganz bewusst: Friede sei mit euch!

 

Ihre Pfarrerin

 

Anja Wessel

»Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt;

nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.«

(Prediger 3,11)

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

nun stehen die Sommerferien vor der Tür. Die einen packen ihre Sachen und begeben sich auf Reisen. Andere genießen die Ruhe zu Hause. Wer nicht an die Ferien gebunden ist, verreist lieber vorher oder nach-her.

Wie auch immer Sie Ihren Sommer verbringen – die Hochsommermonate bedeuten Entschleunigung. Politik, Kultur und Wirtschaft kennen die Sommerpause. Da läuft nicht viel, und das ist gut so.

Wir brauchen Zeiten des Innehaltens und Nachdenkens, die mehr als ein oder zwei Tage umfassen. Wir brauchen Zeiten der Langeweile. Zeiten, in denen die Gedanken und Gefühle einfach mal wandern können, um Entdeckungen zu machen.

Wie sollten wir anders die Schönheit der Welt und des Lebens entdecken, einer Schönheit, die sich hinter den vielen Schrecken dieser Welt verbirgt? Diese Schönheit ist ein Hinweis auf Gottes Ewigkeit, die unserem Einfluss – Gott sei Dank – gänzlich entzogen ist.

Spüren wir sie noch, diese Sehnsucht nach Ewigkeit, die mehr ist als unsere Wirklichkeit und die uns er-ahnen und spüren lässt, dass sich das Leben nicht in unserem oft verzweifelt anmutenden Aktionismus er-schöpft?

Spüren wir sie noch, diese Sehnsucht, die uns über das Vordergründige hinaus fragen und suchen lässt?

Spüren wir sie noch, diese Sehnsucht, die uns demütig werden lässt angesichts der Größe und Unergründlichkeit der Schöpfung und unseres Schöpfers?

Spüren wir sie noch, diese Sehnsucht nach Geborgenheit, wohltuender Passivität und Ruhe, die nicht nach einer Antwort auf alle Fragen drängt, sondern in das kindliche Vertrauen mündet, dass es einen gibt, der Anfang und Ende allen Seins kennt?

 

Ich wünsche Ihnen, dass die Sommerpause Ihre Sehnsucht weckt und Gott Ihnen als derjenige begegnet, der alle Sehnsucht stillt.

 

Ihre Pfarrerin

 

Anja Wessel

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